Blutwerte verstehen: Was LDL, CRP und HbA1c dir wirklich sagen

Meine Entzündungswerte waren jahrelang erhöht. Jedes Mal, wenn ich zum Arzt ging und die Ergebnisse bekam, war da dieses Gefühl, das schwer zu beschreiben ist: nicht wirklich Panik, eher so ein dumpfes Unbehagen, kombiniert mit einer seltsamen Hoffnung, dass es schon nicht so schlimm sein kann. Die Ärzte waren auch ein bisschen besorgt, aber was ich dagegen tun könnte, das hat mir nie jemand erklärt. Ich ging nach Hause mit dem Gefühl: kann man halt nichts machen. Nächstes Blutbild abwarten.

Ich habe dieses Gefühl über Jahre einfach hingenommen. Weil mir niemand gezeigt hat, was es bedeutet und was ich damit anfangen soll. Im Pflegeheim sehe ich, wohin dieses Abwarten führen kann. Was ich dort vor allem bei den Cholesterinwerten und den Folgen sehe, erschreckt mich manchmal wirklich. Ich habe erst neulich mit einer Bewohnerin gesprochen, die nachts kaum schlafen kann, weil ihre Füße so kalt werden. Der Grund ist Arteriosklerose: Die Gefäße in den Füßen sind durch Ablagerungen so verengt, dass das Blut kaum noch durchkommt. Wenn es nicht mehr ankommt, werden die Füße kalt, und wer kann mit eiskalten Füßen schlafen? Eine andere, frühere Bewohnerin hat ihr Bein verloren, weil die Arteriosklerose zu weit fortgeschritten war. Es ist kein Einzelfall, dass Bewohnerinnen und Bewohner Zehen amputiert bekommen, weil das Gewebe einfach nicht mehr versorgt wird und abstirbt.

Ich erzähle das, weil ich mir wünschte, jemand hätte mir früher gezeigt, was hinter diesen Zahlen steckt, die der Arzt mir jedes Jahr auf einem Zettel mitgegeben hat. Denn diese Zahlen erzählen etwas. Man muss nur wissen, wie man sie liest.

Was LDL, CRP und HbA1c dir wirklich sagen

LDL, CRP, HbA1c: das sind die drei Werte, die ich mir in Gesprächen mit Bewohnerinnen und Bewohnern immer wieder anschaue. Die meisten Menschen kennen ihre eigenen Zahlen gar nicht so genau, obwohl sie alles darüber wissen, was auf der Waage steht.

Fangen wir mit Cholesterin an, weil das am häufigsten missverstanden wird. Es gibt zwei Arten: HDL und LDL. HDL ist das Cholesterin, das gesättigte Fette aus dem Körper abtransportiert, der Aufräumtrupp quasi. LDL hingegen ist das, was sich an den Arterienwänden ablagert und sie verkalken lässt. Wenn LDL über Jahre erhöht bleibt, steigt das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und genau das, was die Bewohnerin hatte, die ihr Bein verlieren musste: die periphere arterielle Verschlusskrankheit, bei der die Arterien so verengt sind, dass das Gewebe nicht mehr versorgt wird und abstirbt.

Es gibt übrigens ein äußerliches Zeichen für hohe LDL-Werte, das ich sehr, sehr oft sehe, im Pflegeheim und genauso auf der Straße. Kleine, gelbliche Ablagerungen über den Augenlidern, die aussehen wie winzige Kissen. Die können auch in der Armbeuge auftreten oder sogar in den Handlinien. Es sind Cholesterinablagerungen direkt unter der Haut, wenn man weiß, wonach man schauen muss, sieht man sie überall.

Dann ist da CRP, das C-reaktive Protein, mein persönlicher alter Bekannter, weil mein CRP-Wert jahrelang erhöht war. CRP zeigt an, wie viel Entzündung in deinem Blut vorhanden ist, und damit meine ich die chronische, leise Art, die einfach im Hintergrund schwelt. Wir haben in einem früheren Blogpost schon darüber gesprochen: Diese Form der Entzündung hängt mit einem Großteil der Zivilisationskrankheiten zusammen, also all dem, was durch den Lebensstil begünstigt wird und sich über Jahre aufbaut.

Der dritte Wert ist HbA1c, der Langzeitzuckerwert. Der zeigt dir, wie dein Blutzucker im Schnitt der letzten zwei bis drei Monate war, und gibt dir damit ein viel genaueres Bild als ein einzelner Messwert. Ab etwa 5,7 Prozent reagiert der Körper auf Insulin nicht mehr so sensibel wie er sollte und kann den Zucker nicht richtig verarbeiten. Bleibt das so, kann sich daraus ein metabolisches Syndrom entwickeln, und irgendwann Typ-2-Diabetes.

Die Waage? Die zeigt dir davon gar nichts. Jemand mit völlig normalem Gewicht kann erhöhte LDL-Werte, chronische Entzündungen und einen Langzeitzucker an der Grenze haben. Jemand, den die Gesellschaft als "übergewichtig" einordnet, kann perfekte Werte haben. Das Gewicht ist schlicht nicht das Messinstrument für Gesundheit, das wir jahrelang gedacht haben.

Warum niemand darüber spricht

Bei schlechten Blutwerten läuft es meistens so: Die meisten Menschen bringen ihre Ergebnisse gar nicht mit ihrer Ernährung in Verbindung. Sie sehen die Zahlen als etwas, das mit dem Alter einfach kommt, als genetisches Schicksal, das man nicht wirklich beeinflussen kann. Und das, weil ihnen auch niemand sagt, dass man es beeinflussen kann.

Die Ärztin oder der Arzt sagt vielleicht: "Sie sollten abnehmen", aber das auch nur dann, wenn jemand als übergewichtig gilt. Ansonsten kommt das Rezept. Statin für das Cholesterin, ein Medikament gegen die Entzündung, Insulin für den Zucker. Was Ernährung damit zu tun haben könnte, kommt oft gar nicht zur Sprache. Ich glaube, die meisten Ärztinnen und Ärzte wissen es selbst einfach nicht.

Eine Freundin von mir ist Ärztin, und sie hat mir erzählt, dass sie in ihrer Ausbildung viel darüber gelernt hat, welche Medikamente welche Mechanismen haben, Ernährung hingegen kam kaum vor, vielleicht eine halbe Vorlesung in einem ganzen Semester. Das ist die Realität der medizinischen Ausbildung, zumindest so, wie sie lange war.

Inzwischen gibt es Ernährungsmedizinerinnen und Ernährungsmediziner und die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin. Dass es dieses Fachgebiet überhaupt gibt, macht mir wirklich Hoffnung. Aber für die meisten Menschen, die gerade mit einem Rezept nach Hause gehen und gar nicht wissen, dass sie mit ihrer Ernährung ähnlich viel erreichen könnten wie mit der Pille, fehlt dieses Wissen noch.

Was du jetzt tun kannst

Der erste Schritt klingt simpel, aber kaum jemand macht ihn: Google mal, wie du deine Blutwerte mit Ernährung beeinflussen kannst. Oder frag eine KI: "Mein LDL ist erhöht, was kann ich damit machen?" Du wirst überrascht sein, was da kommt, und vor allem wie viel davon umsetzbar ist. Was sich fast immer bewährt: drei Tage, besser eine Woche, ein Ernährungstagebuch führen. Einfach alles aufschreiben, was du isst. Das geht schnell mit einer App, die dir dann auch zeigt, wie viel Fett, Kohlenhydrate und Protein du zu dir nimmst. Ich muss ehrlich sagen, ich bin kein großer Fan von Ernährungs-Apps, weil du dich damit schnell wieder von außen kontrollierst statt auf deinen Körper zu hören. Aber für eine kurze Bestandsaufnahme können sie nützlich sein. Nur schon das Bewusstmachen, was du überhaupt alles isst an einem Tag, kann enorm viel bewirken. Es gibt dabei wirklich richtig viele Aha-Momente, ich kann das aus Erfahrung sagen.

Wenn es erst mal nur ein Tag sein soll: Schick mir auf Instagram deinen Full Day of Eating, also alles was du an einem Tag gegessen hast, und ich mach daraus kostenlos ein Reel mit meinem Senf dazu. Wenn du das professionell angehen möchtest, mach das gerne gemeinsam mit mir im Nutrition & Mindset Deep Dive. Dabei schaue ich mir deinen Ernährungsalltag mit dir an und gebe dir die ersten konkreten Schritte an die Hand.

Lies unbedingt auch meine vorherigen Blogposts dazu. Gerade der Cholesterinwert hängt sehr stark mit der Aufnahme von gesättigten Fetten zusammen. Die stecken vor allem in tierischen Lebensmitteln, aber auch in vielen hochverarbeiteten Produkten. Entzündungswerte, also CRP, reagieren auf Zucker und gesättigte Fette, und in vielen hochverarbeiteten Lebensmitteln stecken Zusatzstoffe, von denen wir noch gar nicht genau wissen, was sie im Körper alles anstellen können. Mein absoluter Nummer-1-Tipp für mehr pflanzliche Lebensmittel im Alltag ist die 30-Pflanzen-in-einer-Woche-Challenge. Du versuchst, in einer Woche mindestens 30 verschiedene Pflanzen zu essen. Klingt nach viel, ist es aber nicht, wenn man sich mal anschaut, was alles zählt. Warum das so wichtig ist? Weil nur Pflanzen Ballaststoffe enthalten, und Ballaststoffe hängen so gut wie mit allem zusammen: mit deinem Blutzucker, mit CRP und mit LDL. Sie quellen im Darm auf, beschleunigen die Verdauung und sorgen dafür, dass Stoffe, die sonst lange im Darm verweilen und dort toxische Abbauprodukte bilden würden, schneller ausgeschieden werden. Wo bekommst du besonders viele Ballaststoffe? In komplexen Kohlenhydraten, also in Kartoffeln, Hülsenfrüchten wie Bohnen, Erbsen oder Tofu, und in allen Getreidearten. Ich empfehle dir, mal durch das Getreide-Regal im Bioladen oder Supermarkt zu gehen: Polenta, Dinkel, Haferflocken, ganze Haferkörner, eine Sechskorn-Mischung. Die Sechskorn-Mischung zum Beispiel ist schnell gemacht: kurz aufkochen, Deckel drauf, eine Stunde stehen lassen. Dazu Gemüse und Tofu deiner Wahl, und eine Soße, die von mir aus auch Ketchup sein darf. Oder schnell Tomatenmark mit etwas Wasser, Gewürzen und einem Schuss Essig verrühren. Es muss nicht immer kompliziert sein.

Es ist nie zu spät

Zwei Dokumentationen empfehle ich dir hier sehr: "Gabel statt Skalpell" und "What the Health". Beide zeigen sehr konkret, was eine pflanzliche Ernährung mit chronischen Erkrankungen machen kann. Schau sie dir einfach an.

Aus eigener Erfahrung: Seit ich sehr pflanzlich lebe, ist mein CRP-Wert nicht mehr nachweisbar, also immer unter eins. Das ist derselbe Wert, der jahrelang bei mir erhöht war und bei dem mir kein Arzt erklären konnte, was ich dagegen tun kann.

Falls du gerade denkst, bei dir sei es zu spät, weil du schon zu alt bist oder weil das bei dir schon zu lange so geht: Das stimmt nicht. Es ist wirklich nie zu spät. Das Gehirn ist plastisch, das heißt, du kannst neue Gewohnheiten dein ganzes Leben lang aufbauen. Eine alte Gewohnheit zu verändern macht sogar etwas mit deinem Gehirn, denn das kann nachweislich vor Demenz schützen, aber das nur am Rande.

Ich habe eine Bewohnerin im Pflegeheim, die nach ein paar Gesprächen mit mir angefangen hat, die vegetarischen Optionen zu bevorzugen. Sie hat das aus eigener Überzeugung getan, weil sie es selbst wollte. Sie merkt Veränderungen, an ihrem Körper und an ihrem Energielevel. Das zu sehen, finde ich wirklich, wirklich schön.

Dass das kein Einzelfall ist, zeigen die Studien von Dr. Dean Ornish, der seit Jahrzehnten dokumentiert, wie stark eine pflanzliche Ernährung Herzerkrankungen, Cholesterin und Entzündungen beeinflusst, auch bei Menschen, die schon lange betroffen sind.

Du musst das alles nicht von heute auf morgen umsetzen. Eine neue Gewohnheit nach der anderen reicht völlig, und manchmal ist es wirklich so simpel wie ab und zu mal eine Sechskorn-Mischung zu kochen.

Wenn du wissen möchtest, wo du bei dir anfangen kannst: Schick mir auf Instagram deinen Full Day of Eating, also alles was du an einem Tag gegessen hast, und ich geb dir kostenlos meinen Senf dazu als Reel. Wer das Ganze professionell angehen möchte, ist im Nutrition & Mindset Deep Dive bei mir genau richtig.

Sei lieb zu dir.

Du bist es wert.

Jeanne 💜

Quellen & Disclaimer

Alle Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine medizinische, ernährungstherapeutische oder psychologische Beratung. Jeanne Loani ist zertifizierte vegane Ernährungsberaterin und Coach für pflanzliche Ernährung und intuitives Essen, jedoch keine Ärztin oder Heilpraktikerin.

Quellen

CHIP Curriculum Session 12: Understanding Your Results and Taking Action

Ornish, D. et al. (1998). Intensive Lifestyle Changes for Reversal of Coronary Heart Disease. JAMA, 280(22), 2001–2007.

Jenkins, D. J. et al. (2003). Effects of a dietary portfolio of cholesterol-lowering foods vs lovastatin on serum lipids and C-reactive protein.JAMA, 290(4), 502–510.

Gabel statt Skalpell (Forks Over Knives), Dokumentarfilm, 2011

What the Health, Dokumentarfilm, 2017

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