Als Kind war ich ziemlich sicher, dass ich irgendwann Bluthochdruck bekommen würde. Meine eine Oma hatte ihn, meine Tante hat ihn, und dann der Krebs: meine andere Oma ist daran gestorben, eine Tante auch. In meiner Familie sind sehr, sehr viele Menschen an Krebs erkrankt. Ich dachte als Kind wirklich, das ist halt mein Schicksal. Irgendwann kommt es, genetisch bedingt, Punkt.
Was ich in meinem Umfeld auch immer wieder höre, vor allem von Menschen mit Übergewicht: "Das sind halt die Gene." Manche gehen sogar soweit zu sagen, 80 Prozent des Übergewichts sei genetisch bedingt. Aber ich finde das schlicht unlogisch. Vor 100 Jahren waren die Menschen kaum übergewichtig. In meiner Grundschulzeit war vielleicht eines von 25 Kindern in der Klasse übergewichtig. Gene können sich nicht innerhalb weniger Generationen so drastisch verändern, dass plötzlich alle betroffen sind. Das ergibt für mich einfach keinen Sinn.
Im Pflegeheim sieht es anders aus. Die Bewohnerinnen und Bewohner, die noch geistig sehr fit sind, hinterfragen kaum, woher ihre Erkrankungen kommen. Viele glauben, dass man da ohnehin nicht viel beeinflussen kann. Ich hatte während der Coronazeit kleine Gruppensessions, und in einer davon habe ich etwas über Ernährung erzählt. Die Reaktion: völlig aus allen Wolken gefallen, dass so viel mit Ernährung machbar sein soll. Das wussten die alle nicht. Aber das ist auch eine Generation, die in den 20er und 30er Jahren aufgewachsen ist und ganz andere Sorgen hatte als die eigene Ernährung.
Was ich denke, wenn ich das höre? Dass es ein Verbrechen an der Menschheit ist, dass Ernährung und Gesundheit kein Schulfach sind. Ein kleines Verbrechen? Nee, eigentlich ein riesiges. Weil ich überzeugt bin, dass viele chronische Krankheiten gar nicht erst entstehen würden, wenn die Menschen früher aufgeklärt werden würden.
Es gibt einen Satz, den ich liebe: Die Genetik lädt die Waffe, aber der Lebensstil drückt den Abzug. Dahinter steckt ein ganzes Wissenschaftsfeld: die Epigenetik. Deine Gene selbst verändern sich nicht. Was sich verändern kann, ist die Genexpression, also ob ein bestimmtes Gen gerade aktiv ist oder nicht. Stell dir vor, deine DNA ist ein riesiges Orchester, und welches Instrument spielt oder stumm bleibt, das entscheidet der Dirigent, also das Epigenom. Bestimmte Moleküle, in der Wissenschaft Methylgruppen genannt, setzen sich auf die Gene und schalten sie stumm. Andere Signale können sie wieder lauter drehen. Das Faszinierende dabei ist, dass Lebensstilfaktoren, also was du isst, wie du schläfst, wie viel Stress du hast, direkt beeinflussen, welche Gene aktiv sind und welche nicht.
Wie weit das geht, zeigt das sogenannte Dutch Hunger Winter-Beispiel: Frauen, die während der niederländischen Hungerkatastrophe von 1944 schwanger waren, brachten Kinder zur Welt, die später ein erhöhtes Risiko für Übergewicht und metabolische Erkrankungen hatten. Ihre Enkelkinder auch. Der Körper der Großmutter hatte im Mangel gelernt, jeden Kalorienbissen zu speichern, und diese Prägung wurde durch veränderte Genexpression weitergegeben. Wenn die Lebensumstände der nächsten Generation dann ähnlich sind, können diese schlummernden Prägungen aktiv werden. Sind sie es nicht, bleiben die Gene stumm. Das zeigt vor allem, wie wenig das mit Disziplin oder Willenskraft zu tun hat. Körpergewicht und Gesundheit hängen zusammen, aber sie sind nicht dasselbe. Was Dean Ornish und sein Team gezeigt haben, geht in dieselbe Richtung: Nach drei Monaten mit grundlegend veränderter Ernährung und Lebensweise hatte sich die Aktivität von mehreren hundert Genen verändert. Gene, die mit Herzerkrankungen und Entzündungen in Verbindung stehen, wurden weniger aktiv. Gene, die dem Körper helfen, wurden aktiver. Das Epigenom hatte reagiert, in nur drei Monaten.
Self-fulfilling prophecy. Das klingt erstmal nach dem Zeug, das du auf Pinterest zwischen Chrysanthemenfotos und "Good Vibes Only"-Schildern findest. Ja, genau da ist es auch gelandet, zwischen The Secret, The Magic von Rhonda Byrne und meinem absoluten Lieblings-Hasswort: Manifestation (Nein, ich entschuldige mich nicht für die Reaktion auch wenn ich weiß, dass viele von "Manifestation" begeistert sind). Was mich an dieser Debatte wirklich nervt, ist nicht, dass die Idee komplett falsch ist. Es ist, dass sie ein echtes, faszinierendes psychologisches Prinzip genommen und daraus Magie gemacht hat, anstatt zu erklären, was tatsächlich passiert.
Was tatsächlich passiert, hat einen Namen: ARAS. Das ist das aufsteigende Retikuläre Aktivierungssystem im Gehirn, quasi der Filter, der entscheidet, was du bewusst wahrnimmst und was nicht. Wenn du dir ein neues Auto kaufst, siehst du plötzlich dieses Auto überall. Das Auto war schon immer da, dein Gehirn hat es nur bisher ignoriert. Wenn du anfängst, an deiner Gesundheit zu arbeiten, fängt dein Gehirn an, Dinge zu bemerken, die es vorher ausgeblendet hat: Möglichkeiten, Informationen, Signale vom Körper. Das Universum schickt dir nichts, dein Gehirn fängt einfach an, den Filter neu einzustellen.
Dazu kommt der Confirmation Bias: Wir suchen automatisch nach Informationen, die bestätigen, was wir bereits glauben. Wenn du überzeugt bist, dass dein Körper sich nicht verändern kann, wirst du jede Diät, die nicht klappt, als Beweis dafür sehen. Wenn du anfängst zu glauben, dass Veränderung möglich ist, machst du mit denselben Rückschlägen etwas anderes: du suchst nach dem, was du das nächste Mal anders machen könntest.
Die Milkshake-Studie von Alia Crum macht das greifbar: Alle Teilnehmenden tranken denselben Shake mit 380 Kalorien, nur die Beschriftung war unterschiedlich. Die einen glaubten, einen 620-Kalorien-Indulgence-Shake vor sich zu haben. Die anderen einen Light-Shake mit 140 Kalorien. Der Körper reagierte entsprechend: Die Indulgence-Gruppe hatte einen viel steileren Abfall des Hungerhormons Ghrelin, ihr Körper verhielt sich, als hätte er wirklich mehr gegessen. Der Glaube allein hat die Physiologie verändert.
Wenn das stimmt, und die Wissenschaft sagt ja, dass es stimmt, dann ist das kein harmloser Gedanke, den du da über dich hast. Er hat genau die Auswirkungen, die du glaubst, dass er haben wird. Wenn du dir jeden Tag einredest, dass du nie abnehmen kannst, dass du das einfach nicht hinkriegst, dass diese Diät für dich zu krass ist, dann reagiert dein Körper genau so. Nur sind die meisten dieser Glaubenssätze uns gar nicht bewusst. Sie sitzen seit der Kindheit in uns, eingetrichtert von Menschen, die uns liebten, aber selbst auch nicht frei von negativen Überzeugungen waren. Alle Eltern machen Fehler. Wir alle haben negative Glaubenssätze über unsere Körper, auch wenn wir die allerbesten Eltern hatten. Und irgendwann bremsen uns diese Glaubenssätze trotzdem aus.
Ich merke das gerade selbst, ehrlich gesagt. Ich habe gerade echt Probleme mit meinem Körperbild. Was hilft mir? Ich versuche, dankbar für meinen Körper zu sein. Wenn ich anfange zu fragen, was mein Körper heute geleistet hat, anstatt ihn danach zu beurteilen, was er gerade nicht ist, verändert sich etwas. Für mich ist das eines der wirksamsten Gegenmittel, die ich kenne.
Genau deshalb gibt es in ERKENNEN, meinem 6-Wochen-Kurs, einen ganzen Block zu Glaubenssätzen: wo sie herkommen, wie sie sich im Körper anfühlen, wie man sie loslässt und wie du deine neuen, positiven Glaubenssätze findest. Wenn dich das anspricht, schau gerne rein.
Ich kriege gerade Werbung für ein Gerät ausgespielt, das die Kniekonturen verschönern soll. Das Knie?!? Ich dachte, ich hätte schon alles gesehen. Das ist also jetzt die nächste Problemzone.
Wir leben in einer Welt, in der wir buchstäblich nicht ohne negative Glaubenssätze über unsere Körper aufwachsen können. Das hat System. Schönheitsideale, die komplett jenseits von allem Realen sind, werden nicht zufällig aufrechterhalten. Zwischen Lip Flips, Schönheits-OPs, die als ganz normale Lifestyle-Entscheidung in Reels verpackt werden, und KI-verschönerten Models sehen wir den ganzen Tag lang Bilder von Körpern, die so nie existiert haben und nie existieren werden. Das schönste Model der Welt wird noch einmal gefotoshoppt oder mit KI verschönert. Der Maßstab, an dem wir uns messen, war von Anfang an nicht zum Erreichen gemacht. Dazu kommt, dass viele Influencerinnen in echt längst nicht mehr so aussehen wie auf ihren Fotos. Filter, Bearbeitung, manchmal so aufwendig, dass ich selbst nicht mehr sicher bin, ob ein Bild KI-generiert ist oder real. Vorher-Nachher-Werbung mit beeindruckenden Transformationen ist in vielen Fällen schlicht KI. In Deutschland ist solche Werbung mit Vorher-Nachher-Bildern übrigens verboten. Aufgehalten hat das niemanden. Weil erreichbare Ideale gefährlich wären. Frauen, die sich in ihrem Körper wohlfühlen, denken nicht den ganzen Tag darüber nach, was sie noch optimieren könnten. Sie haben Kapazitäten frei: für ihre eigenen Bedürfnisse, für ihre Rechte, für Fragen, die über ihre Körperfülle hinausgehen, für Bildung. In vielen Studiengängen sind Frauen mittlerweile überproportional vertreten. Das macht mir echt Hoffnung. Frauen übernehmen die Welt, wenn sie endlich wirklich gleichgestellt werden und Führungsrollen übernehmen können. Frauen, die sich nicht wohlfühlen, sind beschäftigt. Die kaufen Produkte, buchen Behandlungen, googlen Diäten. Die nehmen wenig Platz ein, fordern wenig, hinterfragen wenig. Sie machen die Diätindustrie reich: Die macht jedes Jahr Milliarden, und die Zielgruppe sind Frauen. Genau deshalb bin ich angetreten, der Diätindustrie den Kampf anzusagen.
Unsere heutige Jugend wächst mit diesem Dauerbeschuss auf Social Media auf. Mädchen und junge Frauen vor allem. Es wundert mich kein bisschen, dass negative Körperglaubenssätze so tief sitzen, wenn man sich anschaut, womit wir jeden Tag konfrontiert werden. Das macht mich wütend. Wirklich wütend.
Nichts ist gefährlicher für dieses System als Frauen, die selbstsicher sind, die ihr eigenes Geld verdienen, die selber denken, die sich gegenseitig unterstützen. Gott bewahre. 😉
Fang damit an, Dinge zu hinterfragen: das System, in dem du aufgewachsen bist, die Stimmen, die dir gesagt haben, wie dein Körper auszusehen hat, und irgendwann auch dich selbst, was du über dich glaubst, woher das kommt, ob das überhaupt deins ist.
Lies Bücher über persönliche Entwicklung, beschäftige dich mit deinen Glaubenssätzen, und fang an, dir neue zu bauen: solche, die dir helfen, die dir Hoffnung machen, die du wirklich glauben kannst. Das ist der entscheidende Punkt: Dein Gehirn weiß, wenn du innerlich nicht mitgehst. Neue Glaubenssätze müssen sich richtig anfühlen. Das braucht Zeit und manchmal Begleitung.
Genau dafür gibt es ERKENNEN, meinen 6-Wochen-Kurs. In sechs Wochen passiert da eine Menge, die weit über das hinausgeht, was hier in einem Blogpost Platz hat. Das Modul zu Glaubenssätzen schaut genau hin: woher sie kommen, welche dich blockieren, wie du dir neue baust, die sich wirklich gut und positiv anfühlen. Im ersten Modul findest du dein Future Self, ein Bild von dir, an dem du den Rest deines Lebens arbeiten kannst, wenn du magst. Wenn dich das anspricht, schau gerne rein.
Dein ARAS kannst du programmieren. Auf Fülle, auf positive Erfahrungen, auf positive Menschen, auf Unterstützung. Ich erlebe das jeden Tag, wirklich jeden einzelnen Tag. Du musst es nur glauben. Deine Gene sind nicht dein Schicksal. Deine Glaubenssätze sind veränderbar. Was du glaubst, formt, was du siehst, was du versuchst, und was du für möglich hältst. Das anzuschauen lohnt sich.
Sei lieb zu dir.
Du bist es wert.
Jeanne 💜
Alle Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine medizinische, ernährungstherapeutische oder psychologische Beratung. Jeanne Loani ist zertifizierte vegane Ernährungsberaterin und Coach für pflanzliche Ernährung und intuitives Essen, jedoch keine Ärztin oder Heilpraktikerin.
Quellen:
CHIP Curriculum Session 13
Heijmans et al. (2008). Dutch Hunger Winter. PNAS, 105(44)
Ornish et al. (2008). Genexpression & Lebensstil. PNAS, 105(24)
Crum et al. (2011). Milkshake-Studie. Health Psychology, 30(4)
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