Herzgesundheit: Warum du nur so jung bist wie deine Blutgefäße

Ich werde nie vergessen, wie Frau D. vor ihrem Schlaganfall war und wie komplett verändert danach. Vorher war sie eine richtig vergnügte und lebenslustige Bewohnerin bei uns im vollstationären Pflegeheim, und sie hatte so eine dankbare Art, die einem wirklich im Gedächtnis bleibt. Sie sagte einmal, bei uns sei es wie im Hotel, als wäre sie im Dauerurlaub. Und dann kam der Schlaganfall. Auf einmal konnte sie nichts mehr selbstständig, lag fest im Bett und hatte sogar ihre Sprache verloren.

Auch meinen Grossvater kenne ich im Grunde nur noch im Bett liegend und verwirrt nach seinem Schlaganfall. Und genau deshalb ist Herzgesundheit für mich kein theoretisches Thema, sondern etwas, das ganz direkt mit Lebensqualität, Selbstständigkeit und Würde zu tun hat. Viele Menschen legen so viel Wert auf ihr Gewicht, aber viel wichtiger ist doch die Frage, wie es um ihre Blutgefässe steht, denn die entscheiden am Ende darüber, ob du mit achtzig noch wandern gehst oder auf Hilfe angewiesen bist.

Was viele auch nicht wissen: Bei Herzschwäche kann nicht mehr genug Sauerstoff durch den Körper gepumpt werden und das kann zu Kurzatmigkeit, Luftnot und sogar Panikattacken führen, was für ein ohnehin geschwächtes Herz brandgefährlich sein kann. Herzinsuffizienz ist eine der Diagnosen, die ich in meiner Arbeit immer wieder in den ärztlichen Gutachten lese, und ich finde, man sollte viel ehrlicher darüber sprechen, was das im echten Leben bedeutet.

Dr. Hans Diehl, einer der Ärzte, die das CHIP-Programm (auf das diese Blogposts aufbauen) mitentwickelt haben, sagt oft: „Du bist immer nur so jung wie deine Gefässe.“ Und genau das trifft es. Viele junge Menschen legen ihren Fokus komplett aufs Aussehen und zu wenig auf ihre Blutgefässe, obwohl genau diese am Ende darüber entscheiden, wie beweglich, selbstständig und lebendig du im Alter noch bist.

Wie Arterien verkalken

Tierische und gesättigte Fette sind gefährlich. Wirklich. Und das sage nicht nur ich, sondern auch grosse Fachgesellschaften wie die DGE, die WHO und die AHA, die alle empfehlen, gesättigte Fettsäuren nur in sehr kleinen Mengen zu essen; die EFSA geht sogar noch weiter und sagt sinngemäss: so wenig wie möglich. Trotzdem tun viele Menschen so, als wäre das alles kein Thema und als könne man die Gefässgesundheit später schon irgendwie nebenbei erledigen.

Du kannst dir deine Adern wie flexible Schläuche vorstellen, die sich erweitern und zusammenziehen können, innen aber eben nicht einfach völlig glatt sind. Wenn du über Jahre hinweg viele gesättigte Fettsäuren und viel Cholesterin aufnimmst, schwimmen entsprechend mehr Fettkügelchen im Blut herum. Es kommt schon mal vor, dass so ein Cholesterinchen oder Fettmolekül hängen bleibt, die innere Wand an dieser Stelle reizt, und dann lagert sich dort mit der Zeit immer mehr ab. Dadurch verengt sich einerseits das Blutgefäss und andererseits verliert es an Elastizität. Atherosklerose entsteht. Also die Gefässverkalkung, die dann alles enger und starrer macht.

Und das passiert nicht erst dann, wenn du alt bist. In einer Studie wurden sogar Kinder untersucht, die nicht älter als zehn Jahre waren, und in fast allen ihren Arterien konnten schon erste fettige Ablagerungen gefunden werden, also die Vorstufe von Atherosklerose. Wenn sich die Adern im Laufe des Lebens immer weiter verengen und an Elastizität verlieren, dann muss das Blut mit immer höherem Druck hindurchgepresst werden, und genau daraus wird Bluthochdruck.

Dann kommt noch der ganze Diätfrust dazu. Dieses ständige Kalorienzählen, die Angst vor dem Zunehmen, der permanente Druck, endlich abzunehmen, machen etwas mit deinem Körper, das viele völlig unterschätzen. Dauerstress hält die Gefässe nicht locker, sondern zusätzlich eng. Das Herz muss dann jahrelang gegen diesen hohen Druck anarbeiten, und irgendwann ist es erschöpft. Wenn sich durch den hohen Blutdruck dann auch noch ein Teil der Ablagerungen löst und irgendwo ein engeres Gefäss verstopft, dann reden wir über Embolien, Schlaganfälle oder im schlimmsten Fall einen Herzinfarkt. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nicht umsonst eine der häufigsten Todesursachen weltweit.

Was eine pflanzliche Ernährung verändert

Und jetzt wird es interessant, denn genau hier kommt die pflanzliche Ernährung ins Spiel. Eine vollwertige pflanzliche Ernährung schützt nicht nur das Endothel, also die innere Auskleidung deiner Gefässwände, sondern unterstützt es auch aktiv bei der Heilung. Das ist nicht irgendein Wellness-Gefühl, sondern knallharte Gefässphysiologie.

Dr. Dean Ornish, einer der Pioniere der pflanzlichen Ernährung, hat in einer weit beachteten Studie gezeigt, dass eine Änderung des Lebensstils und der Ernährung etwas vollbringen können, das kein Medikament zuvor geschafft hat: den Rückgang von Atherosklerose. Keine Ahnung, warum er mit dieser Studie nicht eine medizinische Revolution in Gang gesetzt hat aber hier sind die Bilder:

Das linke Bild zeigt eine verstopfte Herzkranzarterie vor der Umstellung auf pflanzliche Ernährung und das rechte Bild zeigt dieselbe Arterie nach der Studie. Wahnsinn oder?

Oben: eine Herzkranzarterie, durch die kaum mehr Blut fliessen kann.

Unten: 3 Wochen nach umstellung auf eine pflanzliche Ernährung. Dieselbe Arterie, normaler Blutfluss.

Pflanzliche Lebensmittel kurbeln ausserdem die Produktion von Stickstoffmonoxid an, und genau das sorgt dafür, dass sich die Blutgefässe weiten, der Blutdruck sinkt und das Blut wieder reibungsloser durch deinen ganzen Körper fliessen kann. Das bedeutet mehr Sauerstoff, bessere Versorgung fürs Gehirn, weniger Druck aufs Herz und insgesamt mehr Energie für deinen Alltag. Wenn dein Kreislauf vernünftig läuft, merkst du das eben nicht nur im Blutdruckwert, sondern auch daran, dass du wacher, klarer und belastbarer durch den Tag gehst.

Diese Lebensmittel helfen

Okay, Jeanne, aber welche Lebensmittel sind das jetzt ganz konkret? Ich meine nicht dieses diffuse „iss halt gesünder“, sondern wirklich das, was du beim nächsten Einkauf greifen kannst. Ich sags dir: dein Herz wird vor Freude Kapriolen schlagen, wenn du grünes Blattgemüse, wie Spinat oder Rucola isst. Je dunkler das Grün, desto besser. Eisbergsalat ist hier also eher weniger angesagt, aber Feldsalat, Mangold oder auch die Blätter am Kohlrabi, die die meisten im Laden liegen lassen? Bombe!

Und eine wahres Wunder für die Stickstoffmonoxidproduktion ist die Rote Bete. Es gibt sogar Studien, in denen Rote Bete Saft bei Sportlern wie Doping wirkte! Aber Vorsicht, ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen: trink nicht gleich eine ganze Packung auf einmal, davon wird dir richtig richtig schlecht, haha! 🤢

Eine Handvoll Walnüsse oder geschrotete Leinsamen liefern dir wertvolle Omega-3-Fettsäuren, die Entzündungen in den Gefässwänden reduzieren können. Und genau so klein fängt es an: mit ein paar einfachen Lebensmitteln, die du wirklich täglich easy essen kannst, statt mit irgendeinem komplizierten Diätplan, der dir am Ende doch wieder nur Druck macht.

So sieht das im Alltag aus

Das alles ist ja schön und gut, aber wie sieht jetzt eine herzgesunde Mahlzeit aus? Zum Beispiel so: eine fette Ofenkartoffel mit schwarzen Bohnen, frischem Rucola als Topping und einer selbstgemachten Walnuss-Zitronen-Sacee darüber. Das sättigt lange, schmeckt richtig gut und gibt deinem Körper genau das, was er braucht, statt ihn mit leeren Kalorien zu ärgern.

Oder auch Haferflocken mit geschroteten Leinsamen, oder noch besser: frisch gemahlenem Leinsamenmehl, eine Mischung aus Soja- und Haferdrink (schmeckt mir jedenfalls am besten!), Beeren und ein wenig Basilikum (vertrau mir einfach 😉).

Polenta mit Tahini, um es cremiger zu machen, Tofu, Spinat und einen Schuss Zitronensaft. Das kannst du sogar in nur 10 Minuten zum Mittagessen im Büro machen. Hier zeig ich dir wie (und noch so viel mehr): Klick!

Und nein, du musst dieses Essen nicht mit schlechtem Gewissen runterwürgen, als würdest du gerade eine Strafe abarbeiten. Du darfst es geniessen, weil du weisst, dass du deinem Körper damit genau die Bausteine gibst, die er für ein langes, gesundes Leben braucht.

Der mentale Shift

Nachhaltige Gesundheit entsteht nicht durch Druck und Kontrolle oder gar durch den Kampf gegen den eigenen Körper. Wahre Gesundheit entsteht durch liebevolle Fürsorge und gelassene Routinen, die gut für deine Organe sind, die dich jeden Tag bedingungslos am Leben halten. Der Shift von einer strafenden und kontrollierenden Diätmentalität hin zu einer intuitiven, pflanzlichen Ernährung beginnt im Kopf, und genau da solltest du anfangen.

Und noch etwas ist mir wichtig: Niemand ist selber schuld daran, dass er oder sie eine chronische Krankheit kriegt. Manche Faktoren kann man einfach nicht oder nur sehr schwierig beeinflussen, wie Feinstaubbelastung, genetische Risiken oder andere stressige Lebensumstände. Aber lasst uns doch so viel wir können selbst in die Hand nehmen und die Risiken, die wir beeinflussen können, möglichst klein halten.

Wenn du genau diesen ersten mentalen Schritt gehen willst, dann klick auf den Link und hol dir mein kostenloses Workbook „7 Fragen raus aus dem Diätfrust“, damit du die Glaubenssätze auflöst, die dich bisher von einer entspannten und herzgesunden Ernährung abgehalten haben.

Sei lieb zu dir. 💜

Du bist es wert.

Jeanne.

Quellen & Disclaimer

Ornish, D., Scherwitz, L. W., Billings, J. H., et al. (1998). Intensive lifestyle changes for reversal of coronary heart disease. JAMA, 280(23), 2001–2007. https://doi.org/10.1001/jama.280.23.2001

Esselstyn, C. B. Jr. (2001). Resolving the coronary artery disease epidemic through plant-based nutrition. Preventive Cardiology, 4(4), 171–177. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11832674/

Bondonno, C. P., Croft, K. D., Puddey, I. B., & Hodgson, J. M. (2018). Dietary nitrates, endothelial function, and cardiovascular health. Nutrients, 10(1), 48. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25976309/

McGill HC Jr, McMahan CA, Gidding SS. Origin of atherosclerosis in childhood and adolescence. Am J Clin Nutr. 2000;72(5 Suppl):1307S–1315S. https://doi.org/10.1093/ajcn/72.5.1307s

Bilder: https://www.mdedge.com/jfponline/article/83345/cardiology/way-reverse-cad

Hinweis: Alle Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Aufklärung und ersetzen keine medizinische, ernährungstherapeutische oder psychologische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Jeanne Loani ist zertifizierte vegane Ernährungsberaterin und Coach für pflanzliche Ernährung und intuitives Essen, jedoch keine Ärztin oder Heilpraktikerin. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder medizinischen Fragen wende dich bitte an qualifiziertes medizinisches Fachpersonal. Die verlinkten Studien sind unabhängige wissenschaftliche Arbeiten, auf deren Inhalte kein Einfluss genommen wird.

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